Ich arbeite seit 1985 fürs Radio, vor allem für das Kulturprogramm Bayern2 des Bayerischen Rundfunks. Bisweilen fühle ich mich wie ein vom Aussterben bedrohter Dinosaurier, denn die beste Zeit des Hörfunks liegt weit zurück. Das Radio war einmal ein Fenster zur Welt. Viele Schauspieler wollten nicht TV-Stars werden, sondern eben Radiostars. In vielen Familien lief das Radio den ganzen Tag und jeder hatte eine Lieblingssendung.

Ich finde, das Radio ist nach wie vor ein großartiges Medium. Viele Menschen wissen freilich gar nicht mehr oder noch nicht wieder, welche Reichtümer es birgt. Radioprogramme sind Füllhörner der Fantasie und des Wissens. Gut gemachtes Radio ist unwiderstehlich – Kino für den Kopf.

Auszug aus dem Hörbild «Mit den Augen hören», 1994
«Die auditiven Gewitter der Nacht trommeln an mein Ohr. Ich höre Herzen schlagen über Kontinenten. Ich sehe mit den Ohren und höre mit den Augen. Mein Gehirn ist die Skala, die grünlich in die Dunkelheit hinaus leuchtet, meine Nase der Zeiger, der über sie hinwegtreibt, von Anschlag zu Anschlag, meine Ohren sind die Verstärker, in denen das Unsichtbare sich wandelt. Das Leben pulst die Gehörgänge hoch und runter, bis es auf Hammer und Ambos trifft und alles zum Klingen bringt.»