Das Buch vom Strandkorb
Eine Kulturgeschichte des Seebadewesens in Deutschland, 1996 Husum Druck- und Verlagsgesellschaft

9. Juli, 12 Uhr 34, Ahlbeck
Eine Mutter stillt ihr Baby. Hinter dem Strandkorb füllt der etwa fünfjährige Sohn Sand in die Tasche mit den Badesachen. Er hört erst auf, nachdem die Tasche schon fast voll ist. Die Mutter stillt ihr Baby.

Das Buch vom Motorrad
Eine Kulturgeschichte auf zwei Rädern 1998 Husum Druck- und Verlagsgesellschaft

Ich habe dem Motorrad nicht widerstehen können. Ich war auf Ferienvakanz in meinem Heimatdorf Bad Höhenstadt. Es war um 1908. Der Mechaniker, der als einziger so ein Ding besaß, hat mir erklärt, wie ich mit den verschiedenen Hebeln vor und hinter dem Sattel umgehen muß – ein Motorrad hat damals beträchtlich anders ausgesehen als heute – und hat mich auf die Reise geschickt. Ein Sommertag hat sich mit Pracht verabschiedet, als ich losgefahren bin.

Motorrad fahren
Kleine Philosophie der Passionen – Eine Art Autobiografie als Motorradfahrer, 2000 dtv 4. Auflage 2005 München

Ich bilde mir ein, eine Gabe zu besitzen. Eine seltene Gabe.
Ich nehme Bücher zur Hand (natürlich welche, die ich noch nicht kenne, sonst wäre es ja witzlos) und schlage sie verblüffend oft und genau an der Stelle auf, an der etwas über Motorräder geschrieben steht. Ich sehe einem Buch schon von außen an, ob in ihm einer über Motorräder geschrieben hat oder nicht. Über Gefühlserlebnisse, in denen Angst und Sehnsucht untrennbar ineinander fließen.


Fremdgehen

Eine Berliner Mauer Geschichte, 2007 Münchner Frühling Verlag

Schon von weitem sah Norbert ein seltsames Geschöpf an der Hauswand lehnen, zuerst wirkte es wie ein Tier, das im Stehen schlief. Mit jedem zweiten Schritt, den er näher kam, hatte er eine andere Fantasie: ein riesiger Vogel. Ein monströser Fisch. Ein vom Onkel gezüchtetes, grauenhaftes Insekt. Dann erkannte er es: Es war das kleine Auto vom Onkel, das unter einer grauen, löchrigen Decke im Schuppen gestanden hatte. Nun lehnte es tatsächlich hochkant an der Außenmauer.


Palast der Republik

Aufstieg und Fall eines symbolischen Gebäudes, 2008, Christoph Links Verlag

Palastdämmerung. Da liegt er. Stumm und ergeben. Eines von diesen geisterhaften Gebäuden, von denen man nicht sicher sagen kann, ob es sie noch gibt. Dieses hier gibt es nicht mehr – und doch kann man es noch sehen. Es vergeht. Langsam. Wird von Tag zu Tag weniger, bis es eines Tages plötzlich ganz verschwunden sein wird.

Der Rückbau funktioniert, als würde man einen Film von hinten nach vorne laufen lassen. Ein aberwitziger Loop der Baugeschichte, die Zeit wird zurückgedreht, bis man irgendwann wieder im August 1973 angekommen ist, als hier noch nichts war. Eine leere Fläche.


Empfehlungen:

  • “Unser allerbestes Jahr” von David Gilmour
  • “Der weisse Tiger” von Aravind Adiga
  • “Hammerstein oder der Eigensinn” von Hans-Magnus Enzensberger
  • “Der Turm” von Uwe Tellkamp
  • “Let’s Make Money” von Caspar Dohmen
  • “Herzog & de Meuron 1997-2001″ – Das Gesamtwerk der Schweizer Architekten, Band 4